"Engelsmusik" verzauberte die Zuhörer


Von Valeska von Dolega

Remscheid. "Wenn Engel musizieren. . ." klingt das fein, bedingt aber nicht notwendigerweise deren Anwesenheit. Unter Beweis stellte diese These Harfenist Tom Daun bei seinem Auftritt am Sonntagnachmittag.

Denn trotz Abwesenheit jener himmlischen Wesen gab der Musiker ein klangvolles und schönes Konzert, das zu Recht genau diesen Titel trug: "Wenn Engel musizieren. . . ".Choräle des Mittelalters, spanische Marienlieder der Renaissance, Melodien der Jakobuspilger, barocke Musik und neuere Stücke aus England und Irland waren bei dem Gastspiel des gebürtigen Solingers in der Ev. Stadtkirche Lennep im Programm angekündigt. Es waren aber nicht allein die verzaubernden, perlenden Klänge, die der Musiker seiner Harfe zu entlocken wusste und die das Publikum begeisterten.

Wurde bei Melodien wie "Maria durch ein Dornwald ging" mit schräg gelegtem Kopf und fast geschlossenen Augen eine offensichtlich typische Zuhörerposition eingenommen, wurden die Gäste bei einem englischen Carol aktiv. "Wenn Sie Porridge oder Plumpudding möchten, müssen Sie etwas lauter singen", forderte der Musiker die Menschen auf, den Refrain lauthals mitzuschmettern. Die britischen Kulinarika gab es dann trotz eifrigem und notennahem Mitsingen doch nicht, dafür aber hübsche Anekdoten, die sich um immergrüne Pflanzen und verschiedenfarbige Beeren rankten.

Denn das Konzert - von traditionellen angelsächsischen Liedern ging es über Liedgut aus Kanada und Deutschland zur osteuropäischen Klezmer-Klassikern, also traditionell Jüdischem - war nicht nur eine klangvolle Aneinanderreihung herzerwärmender Melodien aus verschiedenen Zeiten und Epochen.

Vielleicht um seinen flink über die Saiten fliegenden Fingern eine Pause zu gönnen, vielleicht um die Ohren frei für neuen Genuss zu machen, vielleicht aber auch, weil er ein guter Erzähler ist - zwischen diese zarten, überaus poetischen Einlassungen streute Tom Daun immer wieder Erzählungen und kurze Erklärungen, erläuterte die Entstehung verschiedener Kompositionen und deren Lauf und Werdegang.

"Musik ist die flüchtigste aller Künste, so flüchtig wie das Leben, so unfassbar wie ein Traum", erklärte er. Neben einem Neujahrsgebet anno 1883 ("Setze dem Überfluss Grenzen und lasse Grenzen überflüssig werden, schenke unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde") waren es seine Interpretationen dieser sonst so schwer zu fassenden Musikmomente, die die Zuhörer frohgemut in ihrem Herzen bei Konzertende nach Hause trugen.

Remscheider General-Anzeiger, Remscheid
Dienstag, 12.01.2010


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