Mit der Harfe durch die ganze Weltgeschichte - Baden: Tom Daun überzeugte im Gartensaal des Boveri-Parks
Mit drei Harfentypen unterschiedlicher Klangfarbe, Grösse und Herkunft verblüffte der aus dem deutschen Solingen stammende Tom Daun mit spielerischer Souveränität und Kreativität sein Publikum.
Von Shakespeare weiter zu Mozart. Mit der grösseren Böhmischen Harfe tauchte er in die Zeit Shakespeares ein, später bezauberte er mit irischer Melancholie. Variationen über eine Melodie Mozarts bildeten einen Höhepunkt des hochkarätigen Vortrags des nordrhein-westfälischen Künstlers. Diese meisterlich dargebotenen dichten und stets durchhörbaren Klangkaskaden erinnerten an nichts zuvor Gehörtes, waren frei von Klischees und Vorgefertigtem, voll von erfinderischer Präsenz und Effizienz. Besonders reizvoll sein rhythmischer und luftiger Exkurs in die altspanische Musik des Barocks. Mit der grossen keltischen Harfe, die einen vergleichsweise warm-trockenen Klang hat, variierte Daun Melodien aus dem 19. jahrhundert, ging zu eigentümlich träumerischen Eigenkompositionen über und zu Stücken aus der französischen Romantik. In der Zugabe erheiterte er erneut das Gemüt eines sichtlich ungelangweilten Publikums mit einem böhmischen „Bärentanz". Der aus dem deutschen Solingen stammende Tom Daun, ein harfenistischer Vollblutmusiker, begeisterte an diesem Abend mit dichtem, differenziertem und fehlerfreien Spiel sowie anekdotenhaft vermittelten geschichtlichen Informationen. Daun ist ein Künstler mit sympathischer Sachlichkeit und einer Sattelfestigkeit auf seiner Instrumentengattung, die seinesgleichen sucht.
Aargauer Zeitung, Baden-Wettingen
Freitag, 09.11.2001